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London (7. – 12.3.2010)

Anfang März war es wieder Zeit für eine Rüstzeit nach London. Rüstzeiten sind Seminare für Zivis. Jeder Zivi der Interesse hat (und auch weiß, dass es dieses Angebot gibt) kann sich aus einem bunten Programm eine Rüstzeit aussuchen und sich für diese anmelden. Die Rüstzeit “London von unten – sozialen Arbeit der City-Kirche” habe ich nun das achte Mal veranstalten dürfen.

Eigentlich hatte ich vor, dieses Mal wegen des bevorstehenden Examens nicht mitzufahren. Aber dann bin ich doch kurzfristig eingesprungen und habe noch einmal an dieser Rüstzeit teilgenommen.

Blick vom Primrose Hill auf London

Blick vom Primrose Hill auf London

Wie bereits viele Male zuvor haben wir uns um Mitternacht am Kölner Hauptbahnhof getroffen, in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Nach dem alle Zivis den Weg zum Treffpunkt gefunden hatten und die Koffer verladen waren ging es dann mit dem Bus und dem mir bereits bekannten und geschätzten Busfahrer Willi los Richtung London.

Nach einem kurzem Tank- und Verpflegungsstopp in Belgien erreichten wir morgens den Hafen von Calais. Glücklicherweise verlief die Passkontrolle durch die Briten problemlos – das gab es auch schon anders – und wir konnten auf der Fähre einchecken. Da die Nacht bereits fortgeschritten war und die Sonne sich am Horizont ankündigte war nicht mehr jeder Teilnehmer ganz fit. Also schnell den Zivis einen Kaffee spendiert, damit der Kreislauf wieder auftouren kommt. Schließlich soll ja auch was im Kopf hängen bleiben von dem gewohnten Vorstellungsspiel, der ersten Programmbesprechung und natürlich auch den Regeln für die Woche.
Die restliche Überfahrt blieb Freizeit, also die Gelegenheit sich auf das Oberdeck in den Wind zu stellen und sich die weißen Kreidefelsen vom Dover im Sonnenaufgang anzusehen. Und eben diese Felsen ging es dann anschließend mit dem Bus hinauf. Vorbei an Canterbury, den Gleisen des Eurostars folgend Richtung London. Am einem Sonntagmorgen geht dies recht flott und so kamen wir nach nur zwei Stunden Fahrt gegen zehn Uhr in der Londoner City unweit des Towers an.

Blick vom Primrose Hill auf London

Blick vom Primrose Hill auf London

Gleich der erste Programmpunkt entwickelte sich unerwartet zum Highlight! Gemeinsam fuhren wir mit den Docklands nach Greenwich um vom Hügel aus einen ersten Blick über die Stadt zu genießen. Das Wetter war perfekt. Eiskalt aber sonnig mit einer tollen Fernsicht! Und während ich den Zivis mit diesem Panorama im Hintergrund etwas über die neuere Geschichte der Stadt und soziale Probleme erklärte ertönte hinter mir eine Stimme: “Ja ja, Sie sprechen Deutsch! Sie wundern sich bestimmt. Die Engländer sprechen kein Deutsch. Hören Sie! Sprechen sie wohl. In der Wirtschaft trinkt man einen Schnaps. Prost. Und man lässt auf den Deckel anschreiben. Denn der Schluckspecht hat kein Geld. Meine Herren…” Ein 78-jähriger Brite, sechs Jahre Deutschunterricht in der Schule, nicht mit der Rheinarmee in Deutschland sondern in Malaysia gewesen, entzückte uns mit seinem typisch britischen Lächeln und vielen Anekdoten und sprachlichen Eigenheiten über unser Heimtland die wohl die wenigsten von uns hätten erzählen können.
Den folgenden Dialog mag ich nun nicht im Einzelnen wiedergeben. Aber wir erfuhren sämtliche Zughalte von Bielefeld bis in die Grafschaft Bentheim bzw. bis nach Venlo. Und dies erschreckender Weise auch noch in der richtigen Reihenfolge. Beitritt des Saarlandes zur Bundesrepublik, die Wiedervereinigung, Aufzählung alles Freistaaten und so manches mehr.

Blick vom Primrose Hill auf London

Blick vom Primrose Hill auf London

Nachdem wir den Briten mit seinen netten aber doch sehr ausführlichen Geschichten (und vorallem mit vielen Querverbindungen die zu neuen Themen führten) losgeworden waren und ich meinen Vortrag beendet hatte, gingen wir den Hügel hinab. Der Weg führte uns zum Greenwich foot tunnel, einem Fußgänger-Tunnel unter der Themse der auf seinen 110. Geburtstag zusteuert. Im Tunnel frozelten wir noch, dass wir aufpassen müssten, damit wir den Herren auf seinem sonntäglichen Spaziergang nicht noch einmal überholen würden. Aber unsere Sorge erwies sich als völlig unbegründet. Wir erreichten sicher die andere Tunnelseite, warteten auf dem schönen, holzgetäfelten Aufzug und wurden beim Öffnen der Türen von einem herzlichen “Meine Freunde aus Deutschland” begrüßt. Glücklicherweise zeigt sich der Aufzugführer weniger geduldig und so schlossen sich bereits nach wenigen Sätzen die Türen hinter uns! Aber für das erste gemeinsame Gesprächthema war gesorgt.

Hausboot-Mülltrennung entdeckt beim Joggen am Regent Canal

Hausboot-Mülltrennung entdeckt beim Joggen am Regent Canal

Der Rest der Rüstzeit verlief dann eher im gewohnten Rahmen ohne spontane Einlagen. Wir hatten eine eher touristische Stadtrundfahrt mit einer örtlichen Fremdenführerin, einen Vortrag in der britischen Amnesty International Sektion über deren Arbeit, haben zwei Kirchen im Londoner Norden besucht wie auch die Ausstellung “Crime Against Humanity” im Imperial War Museum. Auch die ärmeren Seiten von London haben wir uns angesehen, sowohl im Norden als auch im tiefsten Osten, weit hinter den Docklands. Dort haben wir ein Haus besucht, in dem eine Gruppe Franziskaner Mönche ein Nachbarschaftshilfe-Projekt betreibt und gestrandeten Menschen hilft, wieder den Weg zurück in ein geordnetes Leben zu finden.

Highgate Cemetery

Highgate Cemetery

In der freien Zeit habe ich es dieses Mal endlich auf den Highgate Cemetary geschafft. Ein über 100 Jahre alter Friedhof im Londoner Norden. Dieser wurde über Jahrzehnte nicht gepflegt. Dementsprechend verwuchert ist er, die Grabsteine sind gezeichnet von der Zeit und viele stehen auch nicht mehr oder nicht mehr ganz aufrecht.Heute übernimmt es ein Verein, die Wege weitesgehend begehbar zu halten und Gefahren, zum Beispiel durch Monumente die umzustürzen drohen, abzusichern. Und 3 Pfund Eintritt dafür ist es auch durchaus wert.

Highgate Cemetery

Highgate Cemetery

Highgate Cemetery

Highgate Cemetery

Highgate Cemetery

Highgate Cemetery

Auf jeden Fall eine tolle Atmosphäre! Zuerst war es noch bewölkt und etwas düster, am Ende schien aber die Sonne und gab ein wunderbares Licht. Der berühmteste “Gast” – wie der Mitarbeiter am Eingang sagte – auf dem Friedhof ist Karl Marx. Aber die anderen Gräber haben doch einen viel größeren Reiz und machen einem Besuch auf diesem Friedhof wirklich lohnenswert!

Highgate Cemetery

Highgate Cemetery

Highgate Cemetery

Highgate Cemetery

Highgate Cemetery

Highgate Cemetery

Und ich war endlich einmal in London laufen, die Strecke verlief am Regent’s Canal entlang und durch den Regent’s Park. Auch dies hatte ich mir schon länger einmal vorgenommen – aber bei all dem Programm das man in dieser Stadt so hat nie geschafft. Aber trotz des Bieres vom Vorabend bin ich mich morgens um halb sieben aus dem Bett gekrabbelt und habe mich fleißig auf den Weg gemacht.

Joggen am Regent's Canal in Camden

Joggen am Regent's Canal in Camden

Kaum geht man Joggen, schon bekommt man Carsharing Werbung in die Hand

Kaum geht man Joggen, schon bekommt man Carsharing Werbung in die Hand

Und von wegen britische Höflichkeit. Der Straßenkehrer hat mich gegrüßt. Aber ein Londoner Jogger schaut lieber ganz weg bevor er einen anderen grüßen muss! Das ist bei uns zu Hause dann doch schöner!

Beim Joggen auf dem Primrose Hill

Beim Joggen auf dem Primrose Hill

Ansonsten war es schön Tim wiederzusehen, einen Freund der in London promoviert, und ihn zu meinem im Herbst neuentdeckten Lieblings-Libanesen zu schleppen und hinterher einen gemeinsamen Abend mit bunten Gesprächen und schillernden Drinks zu haben! Wir wollen hier auch niemanden spezielles dabei Ansehen…

Insgesamt war es also wieder eine gelungene Fahrt mit einer tollen Gruppe.Und: wie gewohnt hat mich das Wetter nicht enttäuscht und ich konnte mich an einer trockenen Woche mit viel Sonne erfreuen!

Aber nach den ganzen Reisen der letzten Zeit war ich doch auch wieder froh nach Hause zukommen.

Israel (10. – 18.2.2010)

Vom 10. bis zum 18. Februar hieß es שלום חברים – “Shalom chaverim” oder auf deutsch “Hallo Freunde”!

Ich durfte das Zwischenseminar für die Freiwilligen im “Freiwilligen Friedensdienst” (FFD) der Evangelischen Kirche im Rheinland das Zwischenseminar leiten. Der FFD ist ein Dienst der jungen Erwachsenen die Möglichkeit gibt, einen sozialen Dienst im Rahmen eines FSJs oder des Ersatzdienstes für ein Jahr im Ausland abzuleisten. Dabei werden sie durch vor- und nachbereitende Seminare in Deutschland begleitet, aber auch durch ein Zwischenseminar zur Hälfte des Dienstes im Ausland.

Straßenkunst im Wadi Nisnas (Haifa)

Straßenkunst im Wadi Nisnas (Haifa)

Für dieses Seminar habe ich mich mit Eva, die wie ich vor einigen Jahren einen Freiwilligendienst gemacht hatte, am 10. Februar morgens um 5.45 in Düsseldorf am Flughafen getroffen. Leicht unausgeschlafen ging es dann über Zürich nach Tel Aviv. Nach den -5 Grad in Deutschland durften wir uns nun über 18 Grad freuen. Gefühlt befanden wir uns nach diesem deutschen Winter nun in der Westsahara! Und wir wussten noch gar nicht, dass noch weitere 11 Grad hinzukommen sollten!

24 Grad

24 Grad

Vom Flughafen aus haben wir uns mit dem Zug auf den Weg nach Jerusalem gemacht. Plan war es, die schöne Sicht aus dem Zug in die Landschaft bei der Fahrt hinauf nach Jerusalem zu erleben. Leider hatte ich vergessen, dass die Fahrt mit dem Zug doch erheblich länger dauert als mit dem Bus und der Sonnenuntergang recht fix verläuft. Zumindest das wunderbare Schwarz vor den dreckigen Zugfenstern blieb uns!
In Jerusalem haben wir dann unser Zimmer in der YMCA Three Arches, einer wunderschön gebauten Jugendherge im Zentrum der Stadt, bezogen und den Abend genutzt um die Stadt noch etwas zu erkunden. Eva war vorher noch nicht in Israel gewesen und wollte natürlich auch etwas von dem touristischen Programm mitnehmen. Gleichzeitig probierten wir eine Dame von israelischen Wohlfahrtsministerium zu erreichen, welche für die Betreuung der internationalen Volontäre in Israel verantwortlich ist.

Straßenkunst im Wadi Nisnas (Haifa)

Straßenkunst im Wadi Nisnas (Haifa)

Am Donnerstag stand dann der Weg zurück an die Küste an. Im Ramat HaSharon, einem nördlichen Vorort von Tel Aviv, befindet sich Kfar Ofarim. Dies ist ein Heim der israelischen Organisation ALUT, welche sich um Menschen mit Autismus kümmert. Seit dem vergangenen Sommer arbeiten dort zwei unserer Freiwilligen. Und so wollten wir uns ein Bild machen was die beiden dort so anstellen und wie es vor Ort ausschaut. Auf jeden Fall ein lohnender Besuch: ein interessanter Einblick in die Einrichtung und schön mal das Umfeld kennenzulernen, dass ich sonst nur aus den Beschreibungen in den Rundbriefen der Freiwilligen kannte.
Zurück wurden wir dann mitgenommen von Sharon, einem der Manager von Kfar Ofarim. Und da es mittlerweile auch schon 25 Grad waren hatten wir uns spontan entschieden noch ein paar Stunden am Strand zu verbringen. Über den jüdischen Markt mit vielen bunten Eindrücken ging es dann zurück zum Busbahnhof um die Rückreise nach Jerusalem anzutreten.

Freitag war es dann Zeit Jerusalem zu verlassen. Da wir Dina aus dem Wohlfahrtsministerium sich noch immer nicht zurückgemeldet hatte entscheiden wir uns nach Haifa zu fahren. Der Freitag in Israel gleicht ja unserem Samstag – die Wahrscheinlichkeit, dass da noch jemand aus dem Ministerium zurückrufen würde war also entsprechend gering. Vorallem fahren aber am Shabbat in Israel keine Busse.Und da Tage im Judentum bei Sonnenuntergang beginnen wollten wir noch schnell vor Einbruch der Nacht nach Haifa kommen.

Auf dem jüdischen Markt

Auf dem jüdischen Markt

Auf dem jüdischen Markt

Auf dem jüdischen Markt

Auf dem jüdischen Markt

Auf dem jüdischen Markt

Tea Nana - Tee mit frischer Minze

Tea Nana - Tee mit frischer Minze

Also sind wir früh aufgestanden um die Koffer zu packen und die Zeit bis zum Check-Out um elf noch zu nutzen. Wir fuhren auf den jüdischen Markt und haben uns dort mit Köstlichkeiten für das Wochenende eingedeckt: frisches Brot, Pita, Hummus, Erdbeeren, Kakis, Nüsse, frischer Minze für den Tee und so vieles mehr! Vollgepackt mit den bunten Plastiktüten der verschiedenen legten wir mitten auf dem Markt einen Stop für einen Tee Nana (also Tee mit frischer Minze) ein und genossen das Treiben um uns herum.
Am späten Nachmittag kamen wir dann endlich in Haifa an. Ziel dort war das Beit Rutenberg (Beit bedeutet Haus). Pinhas Rutenberg emigrierte um 1920 in das damalige Palästina und engagierte sich stark im Aufbau der jüdischen Städte und Siedlungen. So hat er auch eine große Rolle bei dem Aufbau der Stromversorgung gespielt. Das daraus gewonnene Vermögen bildet heute den Stock des Beit Rutenbergs, einer Stiftung für den Jugendaustausch. Und in eben diesem Haus sollte ab Sonntag unser Seminar stattfinden.

Shabbat-Frühstück

Shabbat-Frühstück

Nach einem entspannten Wochenende mit warmen Temperaturen und viel Sonne, einem tollem Frühstück am Shabbat mit unseren Einkäufen vom Markt in der Sonne vorm Haus, Spaziergang durch die Bahaigärten, interessanten Gesprächen bei einem Bier am Abend und natürlich auch der Programmplanung für das Seminar kam dann der Sonntag. Samstagabend, nach Sonnenuntergang und somit auch Ende des Shabbats, waren wir noch im Einkaufszentrum und hatten uns mit Materialien eingedeckt. Somit blieb uns der ganze Vormittag um Eva das Haus zu zeigen, den Seminarraum vorzubereiten und mit Silvi, der Chefin der deutschen Abteilung im Haus, noch einmal das Programm zu besprechen.

Im Bahaigarten (13. Februar 2010)

Im Bahaigarten (13. Februar 2010)

Im Bahaigarten (13. Februar 2010)

Im Bahaigarten (13. Februar 2010)

Nachmittags um fünf konnten wir dann endlich, mit einer landestypischen Verspätung von zwei Stunden, alle Teilnehmer begrüßen und mit dem Seminar beginnen. Es waren fünf anstrengende Tage. Eva und ich waren in der Regel von morgen acht bis abends zehn mit dem Programm, der Planung und der ganzen anderen Organisation beschäftigt. Aber vorallem waren es auch fünf schöne, spannende und interessante Tage. Im inhaltlichen Teil des Programms hat die ganze Gruppe toll mitgearbeitet und sich auch wirklich auf die von uns gestellten Aufgaben eingelassen – vom Bericht über die eigene Zeit bis hin zum Rollenspiel und künstlerischen Aktionen! Der Zusammenhalt in der Gruppe war sogar so gut, dass es sich für uns unmöglich gestaltete, die Gruppe in Kleingruppen aufzuteilen.
Aber auch der Rest des Seminars hat sowohl den Freiwilligen als auch uns gefallen. Es gab ein Gespräch mit einem orthodoxen Juden der sehr lebhaft über seine Religion, sein Leben und den Chassidismus gesprochen hatte. Außerdem haben wir einen gemeinsamen Spaziergang durch Haifa gemacht und sind zusammen nach Kfar Tikva gefahren, einem offenen Dorf in dem Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen, die חברים (Chaverim = Freunde) leben. Drei der Freiwilligen verbringen dort ihr Jahr und helfen den Chaverim dabei ihren Alltag zu meistern.

Kirschblüte im Februar

Kirschblüte im Februar

Vorallem aber haben wir es all die Tage lang genossen den deutschen Nachrichten per Webstream zu folgen. Von den drei Dauerthemen Kölner U-Bahn, spätrömische Dekadenz und andauernder Winter mit akutem Streusalzmangel kam uns doch die letzte Meldung jedes Mal im Verkehrsfunk merkwürdig vor. Irgendwie fiel es sowohl Eva als auch mir schwer, sich das ganze Wetterchaos nach den Tagen bei sommerlichen Temperaturen noch vorzustellen.

"Fastfood" aus der arabischen Bäckerei - Mittagessen in Haifa

"Fastfood" aus der arabischen Bäckerei - Mittagessen in Haifa

Kirschblüte im Februar

Kirschblüte im Februar

Leider hatte ich meinen Flug so gebucht, dass ich direkt nach dem Seminar aufbrechen musste. Also hieß es am Donnerstagvormittag Abschied von der Gruppe zu nehmen. Und auch hier hat die Gruppe überzeugt, denn sie hat uns eine ehrliche Rückmeldung zum Seminar gegeben. So mussten wir neben viel Lob auch etwas Kritik einstecken. Aber wir haben einige Ideen und Hinweise mitgenommen, wie wir das nächste Seminar besser gestalten können.

Als wir mit der Abschiedsrunde fertig waren wartete bereits mein Taxi vor dem Tor. Mit der Bahn ging es zum Ben Gurion Flughafen und dem Sicherheitscheck in der gewohnt gründlichen Art der Israeli Airport Authority. Die Eingangsbefragung verlief erstaunlich fix – nach 90 Sekunden war ich durch. Üblicherweise dauert dieses Prozedere fünf bis zehn Minuten. Leider dauerte die anschließende Gepäckkontrolle nun umso länger. Nach zwei Stunden war man nun der Meinung, dass mein Gepäck, ich selbst und mein Laptop (letzterer in einem anderen Raum ohne mein Beisein) genug durchleuchtet worden seien. Zumindest unter der Bedingung, dass ich auch meinen Rucksack aufgeben würde. Naja, meinetwegen. Dann muss ich ihn auch nicht tragen und alles wichtige hatte ich ja in der Laptoptasche!
Aber – Schockschwerenot – die Dame am Check-In Schalter war so freundlich mir mitzuteilen, dass ich gar nicht auf die angegeben Maschine gebucht sei. Ja wie? Ja ist so! Ja und nun? Des Rätsels Lösung: Ich hatte überlegt am Donnerstag oder Freitag zurückzufliegen und mich dann für den Freitag entschieden. Aber: im Kalender hatte ich mir den Flug am Donnerstag eingetragen und auch nicht weiter auf das Datum auf dem Ticket geachtet. Offensichtlich bin ich mir also selber auf den Leim gegangen. Was nun?

Möglichkeit 1: Alles nehmen, nach Tel Aviv fahren, Ersatz für die Arbeit suchen und am nächsten Tag noch einmal einchecken.

Möglichkeit 2: Ab zum Ticketschalter der SWISS und den Flug umbuchen.

Letzteres sollte für $ 136 möglich sein. Also auch nicht wesentlich teurer als die Rückreise nach Tel Aviv inklusive der Übernachtung dort. Also: Kreditkarte zücken, Beleg für die Spesen aufbewahren und dann zurück zum Check In. Ich glaube, der israelische Sicherheitsmensch der meinen Koffer kontrollieren durfte und mir in den vergangenen 150 Minuten nicht von der Seite gewichen war hatte auch keine Lust mehr auf mich. Aber immerhin war er so nett, mich dann an sämtlichen weiteren Kontrollen (Sicherheitskontrolle, Handgepäckkontrolle, …) vorbeizuschleusen um mich vor dem Schalter der Grenzpolizei abzuliefern. Mit dem frischen Ausreisestempel im Pass konnte ich mich dann im dutyfree Paradies trollen – da ich ja die Kontrollen kenne, war ich trotz des ganzen Theaters immer noch pünktlich genug um einen Kaffee zu genießen.

Abends um halb zehn war ich dann zurück in Düsseldorf und konnte problemlos in die mittlerweile fast schneefreie Bundesrepublik einreisen.

"Vielleicht lieber morgen" von Stephen Chbosky

Vielleicht lieber morgen? Wo kommt das denn her?

“Vielleicht lieber morgen” ist ein Briefroman von Stephen Chbosky aus dem Jahr 2000 (auf Englisch bereits 1999 erschienen). Alle die, rückblickend auf den Deutschunterricht, bei dem Wort ‘Briefroman’ noch nicht das Weite gesucht haben, sollten unbedingt einmal dieses Buch in die Hand nehmen. Und diejenigen, die schon geflüchtet sind und womöglich das hier gar nicht mehr lesen sollten es ebenfalls tun.

Das Buch handelt von Charlie. Charlie ist 15 Jahre alt und steht vor dem Wechsel auf die Highschool. Dies bereitet ihm etwas Angst und er beginnt Briefe an eine Person zu schreiben. Er kennt diese Person zwar nicht persönlich, aber er hat gehört, dass diese so gut zuhören können soll.
Beim Lesen seiner Briefe rutscht man nun in die Rolle eben dieser Person – und man kann genau so wenig in die Handlung eingreifen wie der/die eigentliche Adressat(in). So erlebt man Brief für Brief wie Charlie erwachsen wird. Party, Sex, und Drogen. Gewalt, Probleme, Streit. Unvergessliche Momente, Mixed Tapes und tolle Geschenke. Eigentlich taucht jede Stimmung in diesem Buch mindestens einmal auf. Und man sollte sie alle mitgenommen haben!

Ich hatte mir das Buch gleich nach der Veröffentlichung durch Zufall gekauft. Ein Bericht in einem Magazin hatte mich neugierig gemacht. Und in den folgenden zwei Jahren habe ich das Buch vier Mal gelesen. So entstand die Idee, den Titel als Benutzernamen im ‘jungen’ Portal der Süddeutschen Zeitung “jetzt.de” zu wählen. Und nun ist er hier im Blog wieder aufgelebt!

Es war einmal vor langer, langer Zeit eine Domain, die lautet “lindmeyer.net”. Und dieser Domain fehlte es an Inhalt. Nur blöde und langweilige Test-PHP-Seiten mit blöden Dummy-Texten ohne jeden Sinn waren dort zu finden. Aber eines schönen Tages sollte sich das Leben dieser Domain von Grund auf ändern und sie erhielt einen tollen Blog. Einen Blog, der hoffentlich in halbwegs regelmäßigen Abständen auch mit neuen Texten und Bildern gefüttert wird!

Und in diesem Sinne: Herzlich Willkommen auf meiner neuen Blog-Seite!

Euer Jan

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